Neuer Duden-Ratgeber „Technische Dokumentation“ für Technikredakteure – Rezension von Johannes Kösegi

Wer hat das noch nicht erlebt, dass man ein neues technisches Produkt freudig auspackt, es voller Erwartung gleich in Betrieb setzen will und dann mangels einer verständlichen Produktbeschreibung daran scheitert. Dies geschieht leider nicht nur bei Billigprodukten Made in Hongkong, Taiwan oder China. Derartige Mängel sind ärgerlich, wenn es sich um CD-Player oder Kaffeemaschinen handelt, können jedoch bei einer neuen Steuerungssoftware für Passagierflugzeuge lebensgefährlich werden. Meist werden Ingenieure und Entwickler der technischen Produkte damit betraut, die Geräte in den Produktbeschreibungen und Anleitungen zu erklären. Leider sind geniale Entwickler und Naturwissenschaftler nicht immer die besten Textschreiber, was ihre Sicherheit in Grammatik, Stil und Verständlichkeit betrifft. An dieser Nahtstelle zwischen Technik und Sprache stehen in größeren Firmen die Technikredakteure, die geschult werden, verständliche Betriebs-, Bedienungs- und Serviceanleitungen zu schreiben. Hier setzt der neue Duden-Ratgeber „Technische Dokumentation“ an, der beim Erstellen von beschreibenden und anleitenden Texten eine große Hilfestellung bietet.

Ohne großes Vorgeplänkel beginnen Autor Thomas Schlenkhoff und die Mitarbeiter der Dudenredaktion mit den Grundlagen des Schreibens technischer Texte. Erst seit den 1990er Jahren gibt es an deutschen Hochschulen überhaupt Studiengänge für technische Dokumentation und verwandte Fächer. Im Gegensatz dazu existierten die entsprechenden Verbände wie etwa der Verband der Automobilindustrie oft schon 100 Jahre früher. Das ist umso erstaunlicher, als eine technische Dokumentation keine freiwillige Produktzugabe ist, sondern ein integraler Bestandteil des Produktes. Gerade bei komplexen Maschinen, Anlagen und Software-Produkten ist es unmöglich, den vollen Produktnutzen ohne die Anleitungen zu erschließen. Außerdem schützen sie den Anwender vor Gefahren im Umgang mit den Produkten.

Der Ratgeber stellt anhand vieler praktischer Beispiele ausführlich die Tätigkeitsfelder von Technikredakteuren als Schnittmengendisziplin mit vielfältigen Kompetenzen dar. Technische Redakteure brauchen Fähigkeiten und Kompetenzen auf den Gebieten Sprache, Technik, Didaktik, Gestaltung/Layout auf Papier und online, Recht und Normen, Informationsbeschaffung (Interviewtechnik), Projektmanagement (Planung von Terminen, Ressourcen und Kosten). Außerdem müssen sie die Software-Werkzeuge etwa zur Erstellung von PDF-Dateien oder HTML für elektronische Dokumentationen auf Homepages beherrschen. Aber auch die Papierdokumentation hat in vielen Fällen noch ihre Daseinsberechtigung, denn nicht immer kann sichergestellt werden, ob ein Anwender einen Computer mit dem Zugriff auf elektronische Medien hat. Gerade ältere Konsumenten tun sich auch leichter mit gedruckten Broschüren.

Neben den technischen Standards wie DIN-Normen wird in dem Ratgeber ausführlich auf eine optimale Gestaltung und Darstellung der Broschüren eingegangen. Außerdem sollen die Redakteure stilsicher die deutsche Sprache mit all ihren Feinheiten in Zeichensetzung und Grammatik beherrschen. Ausführlich werden Software-Werkzeuge wie XML oder Redaktionssysteme wie CMS vorgestellt. Wie Technikredakteure gut schreiben, wird durch viele Beispiele deutlich. Phrasen wie „Die individuelle Auslegung der Wartungsintervalle ist unsere ausdrückliche Empfehlung“ gilt es zu vermeiden. Statt Schachtelsätzen sollten kurze Sätze mit klaren und verständlichen Aussagen verwendet werden. Im Gegensatz zur normalen Sprache können in technischen Anleitungen ausnahmsweise die Artikel weggelassen werden, um den Text nicht unnötig zu verlängern, denn Benutzer wollen immer kurz und prägnant in die Funktionsweise des Produktes eingeführt werden. So reicht „Rote LED blinkt“ statt „Die rote LED blinkt“. Im abschließenden Kapitel „Funktional definierte Informationen“ gibt es noch viele praktische Tipps für Anleitungen, Warnhinweise und universell verwendbare funktionale Einheiten wie Überschrift, Querverweis und Bildunterschrift, außerdem Verzeichnisse mit Inhalt, Abbildungen, Tabellen und Stichwörtern.

Der neue Duden-Ratgeber eignet sich für Einsteiger in den Beruf des Technikredakteurs ebenso wie als Nachschlagewerk für Profis. Dabei spielt es keine Rolle, ob kurze Gebrauchsanleitungen oder umfassende Dokumentationen verfasst werden sollen. Der Autor Andreas Schlenkhoff ist seit über 20 Jahren im Umfeld der Technikdokumentation tätig. Er arbeitet bei einem der größten deutschen Dokumentationsdienstleister und hat an technischen Dokumentationen fast aller Branchen mitgearbeitet. (Johannes Kösegi)

Duden-Ratgeber „Technische Dokumentation“; 224 Seiten; ISBN 978-3-411-74721-4; 19,99 Euro