Neuer Ratgeber der Stiftung Warentest „Photovoltaik – Solarstrom vom Dach“ – Rezension von Johannes Kösegi

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan und der dadurch bedingten allmählichen Abschaltung unserer Kernkraftwerke wird die Bedeutung alternativer Energieformen immer wichtiger. Besonders die Photovoltaik, das ist die Stromerzeugung aus kostenloser Sonnenenergie, erlebt eine rasante technische Entwicklung. Bald werden in Deutschland eine Millionen Anlagen installiert sein, die Strom produzieren und ins öffentliche Netz einspeisen. Mehr als die Hälfte davon werden von Privatpersonen, Freiberuflern oder Kleingewerben betrieben. In den letzten Jahren sind die Kosten der Anlagen deutlich gesunken, mittlerweile liegen sie in der Größenordnung eines Kleinwagens. Auch wenn die Einspeisevergütung vom Gesetzgeber deutlich gesenkt wurde, um die Energiekonzerne zu schnelleren Preissenkungen zu drängen, sind Photovoltaikanlagen für private und gewerbliche Betreiber noch immer sehr interessant.

An diese Gruppe richtet sich der neue Ratgeber „Photovoltaik“ der Stiftung Warentest. Bauherren können damit ihre Häuser aufwerten. Für Privatanleger bietet sich eine vernünftige Alternative zu abstrakten Geldanlagen bei Banken oder riskanten Beteiligungsmodellen. Es bieten sich sichere Anlagemöglichkeiten, wenn auch die Renditeerwartungen nicht so hoch sind. Schließlich ist eine Investition in alternative Energieformen gut für das Gewissen, denn nur gegen Kernkraftwerke zu demonstrieren und nichts aktiv für erneuerbare Energieformen zu tun, nützt niemandem etwas. Der Band bietet zur Einführung alle Aspekte wie die Technik der Stromerzeugung aus Sonne, praktische Tipps für Planung und Betrieb sowie rechtliche und steuerliche Fragen. Dazu gibt es konkrete Rechenbeispiele, Checklisten und viele Grafiken und Fotos zur Erläuterung.

Technisch lassen sich Sonnenkollektoren für die Warmwasserversorgung mit Solarmodulen, die Strom aus Sonnenlicht durch den photovoltaischen Effekt von Halbleitern (Silizium, Selen) erzeugen, kombinieren. Die meisten Empfehlungen im Buch betreffen netzgekoppelte Solarstromanlagen, die den selbst erzeugten Strom ins eigene und öffentliche Stromnetz einspeisen. Dazu muss der Gleichstrom aus den Solarzellen durch einen Wechselrichter in den üblichen 230-Volt-Wechselstrom umgewandelt werden. In einem Jahr strahlt die Sonne zehnttausendmal so viel Energie durch die Erdatmosphäre, wie die menschliche Zivilisation heute verbraucht. Je nach geographischer Lage kann eine Anlage in Deutschland bis über 1200 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr erzeugen.

Auch wenn die Photovoltaik heute technisch ausgereift ist, liefert sie nur optimale Erträge, wenn die Anlagen auf den Standort angepasst werden und die Bauteile perfekt aufeinander abgestimmt sind. Der Ratgeber gibt wichtige Tipps für eine auf Jahrzehnte ausgelegte Entscheidung. Ausführlich werden verschiedene Solarzellentypen und Bauformen mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Ähnlich wie bei SAT-Antennen muss hier auf mögliche Verschattungen durch nachwachsende Bäume geachtet werden, um einen optimalen Wirkungsgrad zu erzielen. Für einen optimalen Ertrag kommt es auf die richtige Ausrichtung und Neigung der Solarzellen an. Die Auswahl der richtigen Kabel ist ebenso wichtig wie ein ausreichender Schutz vor Blitzeinschlägen. Bei der vom Gesetz geregelten Stromeinspeisung ins öffentliche Stromnetz kann gewählt werden zwischen Volleinspeisung und Überschusseinspeisung. Verbrauch und gelieferter Strom lassen sich manuell oder automatisch prüfen und messen.

Schließlich gibt es beim Betrieb einer Solarstromanalage einige rechtliche und organisatorische Voraussetzungen zu beachten. In einem „Fahrplan“ wird der optimale Ablauf von der Idee über Planung und Genehmigung bis zu Installation und Betrieb dargestellt. Auch über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten wird informiert. Eigenmontage wird weniger empfohlen, weil dann keine Haftungsansprüche bestehen und wenig eingespart werden kann. Als Betreiber wird man umsatzsteuerpflichtiger Kleinunternehmer. Auch wenn die Anlagen normalerweise wartungsfrei sind, muss doch hin und wieder ihre Effizienz kontrolliert werden. Wärme vermindert die Leistung, ebenso Blätterbefall, Staub, Ruß oder Schnee.

Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte man nicht nur den reinen finanziellen Ertrag beachten, sondern auch die Investition in die Umwelt und Zukunft unseres Planeten. Nach Ablauf der gesetzlichen Vergütung produziert die Anlage kostenlos Strom, solange sie noch läuft. Für Nichthausbesitzer bietet sich statt einer eigenen Anlage eine Beteiligung an Solarfonds oder der Umstieg auf Solarstrom an, auch wenn er manchmal etwas teurer ist. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit des Stromsparens, wofür einige interessante Tipps gegeben werden. Das letzte Kapitel handelt neben der Geschichte der Photovoltaik von den guten Aussichten für die Zukunft des Stroms aus erneuerbaren Energien, wozu neben Photovoltaik noch Geothermie, Biomasse, Wind- und Wasserkraft gehören.

Nach dem von über 50 Ländern übernommenen deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird die Einspeisevergütung immer geringer. Vor zehn Jahren wurden als Anreiz für eine Überbrückungszeit noch 57 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom vergütet, heute sind es noch 27 Cent. Die Preise für eine Photovoltaik-Anlage haben sich in dieser Zeit ebenfalls etwa halbiert. In zwei Jahren wird der Solarstrom vom Dach etwa so teuer sein wie der konventionell erzeugte Strom. Außerdem gibt es bei Solarstrom und anderen erneuerbaren Energiearten keine Folgekosten. Die für Juli zunächst vorgesehene weitere Verringerung der Einspeisevergütung wird nicht kommen. Damit bleibt die Erzeugung von Photovoltaik-Strom auch weiterhin finanziell lohnend. „Bauherren, die sich eine Photovoltaik-Anlage kaufen möchten, können sich in aller Ruhe entscheiden“, rät Thomas Seltmann, der Autor des Buches. Auch die derzeitige Eigenverbrauchsregelung bleibt bis 2012 bestehen. Deshalb ist ein Kauf noch in diesem Jahr empfehlenswert, wobei eine etwas teurere Anlage vom erfahrenen Installateur auf Dauer eine lukrativere Investition ist. Das empfehlenswerte Buch der Stiftung Warentest bietet mehr als einen guten Einstieg in das Thema. Zusätzlich sind am Ende viele nützliche Adressen und Literaturangaben angefügt, die nichts mehr zu wünschen übrig lassen, außerdem ein Glossar mit den wichtigsten im Buch erwähnten Fachbegriffen von AfA bis Wechselstrom. (Johannes Kösegi)

Thomas Seltmann: Photovoltaik – Solarstrom vom Dach; Stiftung Warentest Berlin, 2011; ISBN 978-3-86851-026-3; Preis 24,90 Euro