Das Lied der Insel – Rezension von Silvia Dunker

Ein kleines irisches Eiland mit Namen Inis Murúch: „Insel der Meerjungfrauen“. Dieser Ort verbindet drei Generationen von Frauen, die ihm einerseits entfliehen wollen, andererseits immer wieder dorthin zurückkehren. Die Großmutter Cliona verließ die Insel einst, um als Kindermädchen in Amerika Geld zu verdienen und sich als Krankenschwester ausbilden zu lassen. Als sie unerwartet schwanger wird, muss sie all ihre Pläne verwerfen. Für Jahre kann sie Irland nicht wiedersehen, und ohne dass sie es will, hasst sie ihre Tochter Grace dafür. Grace wächst mit wenig Liebe heran. Sie erlebt ihre Mutter als unnahbar und überaus streng. Ihre Zuneigung holt sie sich vor allem bei Männern, und da sie eine echte Schönheit ist, fällt ihr das nicht schwer. Als Cliona ihre Tochter eines Tages dann doch mit auf jene irische Insel nimmt, erlebt Grace den Ort wie ein Gefängnis, dem sie möglichst schnell entfliehen will. Fünf Jahre hält sie es dort aus, heiratet sogar und bekommt eine Tochter: Gráinne.

Als sich Grace dann schließlich bei Nacht und Nebel auf den Weg zurück nach Boston macht, hinterlässt sie gebrochene Herzen, aber es ist ihr egal. Sie will frei sein, frei vor allem von ihrer Mutter, von der sie sich niemals akzeptiert gefühlt hat. Ihre Tochter Gráinne lässt sie jahrelang fest in dem Glauben, sie habe keinen Vater und auch sonst keine Familie mehr.

Erst als Grace stirbt, erfährt Gráinne von ihren irischen Verwandten. Für die junge Frau beginnt eine aufwühlende Zeit. Das Erwachsenwerden verunsichert sie ohnehin und nun, nach dem Verlust ihrer Mutter, steht sie mit vielen unbeantworteten Fragen alleine da. Kein Wunder, dass sie ihr neues Zuhause, die irische „Insel der Meerjungfrauen“, erst einmal ablehnt.

Eine Familiensaga die einerseits märchenhaft und fremdartig erscheint, anderseits aber auch die Geschichte vieler Frauen bis heute wiederspiegelt. Aus der Perspektive dreier verschiedener Generationen wiederholen sich immer gleiche Motive: die Sehnsucht nach Geborgenheit, aber auch der Wunsch nach Selbständigkeit, der Konflikt zwischen Mutter und Tochter.

Fazit:
Das Lied der Insel lässt sich gut und flüssig lesen, könnte aber ein wenig spannender sein. (Silvia Dunker)

Titel: Das Lied der Insel
Autor: Lisa Carey
Verlag: Knaur Verlag
Seiten: 345
ISBN: 342661829X