Kon Tiki – Rezension von Alfred Ohswald

Aufgrund von Funden und Legenden gelangte Heyerdahl zu dem Schluß, dass Polynesien von Südamerika aus von Menschen mit weißer Hautfarbe und roten Haaren besiedelt wurde. Das stand aber in Widerspruch zur geltenden, wissenschaftlichen Meinung und das Hauptargument dagegen war, dass es mit den damals in Südamerika gebräuchlichen Flößen nicht möglich war, Polynesien zu erreichen.

Verzweifelt, weil niemand seine These im Geringsten beachtet, beschließt Heyerdahl die Reise selbst mit einem solchen Floß zu unternehmen. Schnell sind einige Teilnehmer für die Expedition gefunden und, mit einigem Glück, auch die nötigen finanziellen Mittel. Die für das Floß notwendigen Balsastämme sind nur unter abenteuerlichen Umständen zu beschaffen, doch dann geht alles ziemlich glatt.

Beim Rausschleppen des Floßes aus dem Hafen geht allerdings gleich einiges schief, doch dann vertrauen sich die Expeditionsmitglieder den Meeresströmungen und -winden an. Es ist mit diesem Floß auch nicht möglich, wieder zurück an das Festland Amerikas zu gelangen, so wie ein Steuern gegen Wind und Strömung generell nur sehr begrenzt machbar ist.

Gleich am Anfang ihrer Reise geraten sie in einen starken Sturm und haben alle Hände voll zu tun, doch das Floß hält. Zahlreiche Meeresbewohner sorgen für abwechslungsreiche Nahrung und für Abwechslung. Haie, ein Walhai, verschiedene Wale, fliegende Fische und noch vielen andere Tiere begegnen dem Floß und seiner Mannschaft. Nach abenteuerlichen drei Monaten strandet das Floß schließlich auf einem gefährlichen Korallenriff und der Mannschaft gelingt er nur mit viel Glück und Anstrengung die dahinter liegende Insel lebendig und unverletzt zu erreichen.

Eine solche Reise gibt natürlich einen ausgezeichneten Stoff für ein Buch und einen Film ab und Heyerdahl hat beides in gelungener Form zuwege gebracht. Der Dokumentarfilm erhielt einen Oskar und das Buch wurde ein weltweiter Bestseller.

Beim Lesen sollte man allerdings berücksichtigen, dass die Reise im Jahr 1947 erfolgte und man mache Dinge damals etwas anders sah oder nicht wusste. So würde heute vermutlich niemand einen Wahlhai gewaltsam mit einer Harpune vertreiben. Die Historiker sind heute auch auf einem anderen Stand, als in dem Buch geschildert. Allerdings sind auch heute die Thesen Heyerdahls noch nicht komplett von den Wissenschaftlern akzeptiert.

Als Abenteuergeschichte ist das Buch aber in jedem Fall empfehlenswert, weil Heyerdahl das spannende Erzählen hervorragend beherrscht.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kon Tiki
Autor: Thor Heyerdahl
Verlag: Ullstein
Seiten: 252
ISBN: 3548230946