In die Wildnis – Rezension von Eva Behrens

Im Spätsommer 1992 wird in einem seit Jahren verlassenen Buswrack in der Einsamkeit Alaskas die Leiche von Chris McCandless gefunden. Eine Obduktion ergibt, dass der 24-jährige Abenteurer seit etwa zwei Wochen tot ist – verhungert.

Was hat den jungen Mann dazu getrieben, sich alleine in die Wildnis zu begeben, was hat ihn zu diesem gefährlichen Abenteuer veranlasst und warum musste er sterben?

Vielleicht ist man versucht zu sagen: „McCandless war ein Spinner, der ohne Not sein hoffnungsvolles Leben wegwarf und seine nächsten Angehörigen in Trauer und Verzweiflung zurückließ“. Doch so einfach macht es sich Jon Krakauer nicht. Vielmehr bemüht er sich, mit journalistischer Sorgfalt das kurze Leben des Chris McCandless aufzurollen und forscht nach Motiven für seine Lust am Extremen, für seine Sehnsucht nach unberührter Natur und existenziellen Herausforderungen. Langsam nähert er sich der Person des Abenteurers und macht dem Leser die Gründe für sein Verhalten offenbar, so dass man am Ende des Berichtes durchaus Verständnis für die Motive des jungen Amerikaners aufbringen kann.

Selbst ängstliche Menschen, die Gefahren lieber meiden, statt sie zu suchen, verspüren gewiss zumindest manchmal den Wunsch nach Freiheit und Ungebundenheit, nach weiter Landschaft und dem völligen Einssein mit der Natur. Bei Chris McCandless war dieser Wunsch außerordentlich stark ausgeprägt. – So stark, dass ihn selbst der Gedanke an den Tod nicht schreckte. Doch er war kein verkappter Selbstmörder – im Gegenteil, es war seine Gier nach Leben, die ihn in die Wildnis trieb und hätte der junge Mann nicht einige verständliche aber leider folgenschwere Fehler gemacht, so hätte er seinen Trip vermutlich überlebt.

Mich hat dieses Buch gefesselt und in mir den Wunsch geweckt noch mehr von Jon Krakauer zu lesen (und nach Alaska zu reisen).

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: In die Wildnis
Autor: Jon Krakauer
Verlag: Malik
Seiten: 299
ISBN: 3890291694