MERIAN-Madrid – Rezension von Ursula Homann

Madrid ist eine der attraktivsten Städte Europas, mit vielen Grünflächen – diese machen fast fünfzig Prozent der Stadt aus – mit einer Reihe von Kulturdenkmälern und architektonischen Kostbarkeiten.

„Schon beim ersten Spaziergang in Madrid gehen einem die Augen über“, schwärmt der Architektur-Experte Manfred Sack. Die spanische Metropole sei protzig und heiter, aufgeregt und gelassen, hellwach und niemals müde, aber auch „behäbig, nervös oder bürokratisch“, meint der bekannte spanische Gegenwartsautor Javier Marias von seiner Geburtsstadt Madrid. Der Regisseur Pedro Almodóvar hat Spaniens Hauptstadt in die Kinos gebracht und mit entfesselten Szenen einen Oscar gewonnen. Cees Nooteboom, der prominenteste zeitgenössische Schriftsteller der Niederlande, hat ein tief verwurzeltes Verhältnis nicht nur zu Madrid, sondern zu ganz Spanien. „Eines der wenigen konstanten Dinge in meinem Leben ist meine Liebe..zu Spanien“, bekannte er bereits vor Jahren.

Zwischen 1890 und 1920 bauten Aristokratie, Geldadel und Großbürgertum hier pompöse Häuser als Bühnen der Selbstdarstellung. Noch heute prägt die Architektur der Belle Époque die Stadt. Der im schönsten Jugendstil erbaute Palacio de Longoria von 1902 beherbergt gegenwärtig den Autoren- und Verlegerverband. Sehenswert sind auch die Almudena-Kathedrale, der Königspalast und die Oper. Madrid gilt als Hochburg der Kultur, nicht zuletzt wegen seiner Kunstmuseen von Weltrang, zu denen das Prado-Museum gehört, das viele Kostbarkeiten beherbergt, darunter „Die Familie Karls IV.“ von Francisco de Goya, ferner die „Reina Sofia“ – hier ist die Vielfalt spanischer Kunst der Gegenwart zu sehen – und die Galerie Thyssen-Bornemisza. Sie wiederum birgt eine opulente Chronologie der Malerei. Bunt und polyglott wirkt das Lavapiés-Viertel mit Orient, Asien und Afrika in einem, dessen Bewohner vor allem die Hoffnung auf bessere Zeiten eint und in dem ein Mix aus über zwanzig Sprachen und Dialekten herrscht.

Die politischen Unruhen durch die Basken und die Eta werden ebenfalls thematisiert. Immer mehr Basken suchen die Anonymität der Hauptstadt. Journalisten, Professoren und Intellektuelle flüchten vor dem Terror in ihrer baskischen Heimat. In einem Beitrag wird der Thronfolger Felipe, Sohn von König Juan Carlos und Königin Sofia, eingehend porträtiert. Den Merian-Redakteuren ist wieder einmal ein buntes und informatives Heft gelungen, das neugierig macht auf Spaniens Hauptstadt Madrid. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN-Madrid
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 145
ISBN: 3774266115