MERIAN Ligurien – Rezension von Ursula Homann

Ligurien ist reich, schön, verrückt und abenteuerlich. Reich durch die Stadt Genua, die in der Renaissance eine bedeutende Welt-, See- und Handelsmacht war. Noch heute ist Genua ein Ort extremer Kontraste, eine Stadt, in der van Dyck in vier Jahren seine schönsten Bilder malte – diese erzählen von Genuas Granden mehr als viele Worte – und in der der geniale Architekt Renzo Piano zu Hause ist. Reisende machen um Genua oft einen Bogen und ahnen nicht, was ihnen entgeht, nämlich die aufregendste Altstadt Westeuropas, mit Gassen voller Leben und Geschichte.

Schön sind Liguriens Steilhänge über dem Meer und die Dörfer, die sich an den Fels krallen. Verrückt wird der Streifen am Mittelmeer, wenn San Remo an der italienischen Riviera, wo seit 1951 die Stars gemacht werden, sich einmal im Jahr beim Schlagerfestival als Diva der Popkultur feiert und ganz Italien die Show geniesst.

Den Stempel des Abenteuerlichen wiederum erhält Liguren durch mehr als viertausend Finnwale, die im Mittelmeer leben und die sich im Sommer vor der Küste sammeln. Leider werden sie zunehmend durch DDT aus Afrika bedroht.

Fremde fanden in diesem Landstrich Italiens schon früh ihr Arkadien. „Die Lage ist ganz und gar ungewöhnlich“, befand der englische Kaufmann Thomas Hanbury, als er 1867 bei Ventimiglia einen verfallenden Palazzo entdeckte. Er kaufte, restaurierte und ließ um die Villa Hanbury einen Garten anlegen, der Weltruhm erlangte. Über die zwei Gesichter Liguriens, das Meer und die Berge, schreibt der deutsche Schriftsteller Hans-Josef Ortheil, der viele Jahre in Italien gelebt hat und sich hier wohl auskennt. Als Ortheil einmal Italo Calvino fragte, in welcher Region eigentlich seine Geschichten spielten, erhielt er zur Antwort: „An der Zauberküste Liguriens“.

Aber die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben. Vor zehn Jahren war zum Beispiel Varese Ligure ein Hinterlanddorf, abgelegen, rückständig und vergessen. Der Bürgermeister machte den Ort zum Zukunftsmodell, das heute wieder Menschen anzieht.

Ruhig ist es an der Riviera dagegen im Winter, wenn auf Menschenheere die Menschenleere folgt und aus Touristen Gäste werden. Auch in Camogli, einst als Seefahrerstadt so bedeutend wie Genua und einer der schönsten Küstenorte an der Levante, kehrt im Winter der Alltag ein. Das Heft besticht wie fast alle Merian-Hefte durch fundierte Texte und schöne Bilder. Es enthält Angaben zu Unterkünften, Restaurants, Freizeitangeboten sowie einen handlichen Stadtplan von Genua, den man bequem in die Tasche stecken kann. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN Ligurien
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 154
ISBN: 3774266107