Sohn eines Dealers – Rezension von Ensa Maurer

‚Seit Christian weiß, dass sein Vater Stoff verkauft, wird seine Welt zerfetzt. Während er fühlt, wie aus seiner Welt jeden Tag ein weiteres Stück herausgerissen wird, bleibt sein Vater ungerührt. … Auch heute. Wer außer mir weiß noch, was mit Vater los ist?, fragt sich Christian.
Sein Vater verkauft den Stoff nicht an irgendwelche Leute, die Christian völlig gleichgültig sein könnten, sondern an Gleichaltrige oder Ältere, auch Jüngere, jedenfalls als Schülerinnen und Schüler. Christian ist wütend und zugleich enttäuscht.‘

Wenig später stirbt der Vater des 16-Jährigen, der sich in Erhans Getränkemarkt sein Taschengeld aufbessert und – wie seine Mutter – begeistert Fußball spielt, an den Folgen einer Messerstecherei auf offener Straße. Im Laufe der polizeilichen Ermittlungen kommen er, seine Mutter und seine Schwester Sonja nicht umhin, sich mit den illegalen Machenschaften des dealenden Ernährers und seiner Rolle im Drogensumpf auseinander zu setzen.

Derweil spitzen sich für Christian die Probleme dramatisch zu: Drei Männer fangen ihn auf dem Weg zum Training ab und bedrohen ihn, um an für sie wichtige Informationen zu gelangen. In seinem Spind in der Schule werden Drogen gefunden, was seine sofortige Suspendierung zur Folge hat. Und auch andere üble Typen setzen ihm bei der Suche nach den Mördern seines Vaters gehörig zu.

„Sohn eines Dealers“ ist ein ebenso außergewöhnliches wie eindringliches Buch, das durch die knappe, sachliche Sprache zusätzlich an Intensität gewinnt. Wirkungsvoll beschreibt der Autor die vollends irritierte Gefühlslage seines jugendlichen Protagonisten, der zwischen Liebe und Verachtung für seinen Vater schwankt, jäh mit völlig neuen Realitäten konfrontiert ist und sich zudem mit der Frage quält, wem er überhaupt noch vertrauen kann.

Klaus Michael Vater wurde am 22. März 1946 in Lüdenscheid geboren und war schon während seiner Schulzeit für die Aachener Zeitung tätig. Vater studierte Politik-Wissenschaften und arbeitete danach als Journalist. 1989 schließlich wechselte er in die Politik und wurde zunächst wissenschaftlicher Referent der SPD-Bundestagsfraktion, bevor er im Januar 2000 zum Sprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung avancierte. Der Autor, der mit „Sohn eines Dealers“ seinen ersten Jugendroman vorlegte, ist verheiratet und hat mehrere Kinder. (Ensa Maurer)

Titel: Sohn eines Dealers
Autor: Klaus Vater
Verlag: Ravensburger
Seiten: 126
ISBN: 3473581410