Fische haben keinen Po – Rezension von Ensa Maurer

Jojo, der eigentlich Johannes heißt, hat es mit seiner vierjährigen Schwester Melly, die eigentlich Melody heißt, wirklich nicht leicht. Ihre ständigen Fragen – ob Fische einen Po haben, was ein Armleuchter ist, wieso, weshalb und warum – gehen ihm schon unter normalen Umständen ziemlich auf die Nerven. Doch als er eines Tages von der Schule nach Hause kommt, ist nichts mehr normal: die Mutter der Beiden hat sich den Fuß verletzt, kann sich kaum von der Stelle bewegen, und nun muss Jojo sich nicht nur um Melly, sondern auch um den Haushalt kümmern.

Rasch stellt er fest, dass ein Problem scheinbar das nächste magnetisch anzieht: Eines heißt Doktor Lohmeyer, ist eigentlich Kinderarzt und zu sehr am lädierten Fuß seiner allein erziehenden Mutter interessiert. Ein anderes trägt den Namen Josefa und geht in Jojos Klasse. Und auch der Zustand, seinen Vater nur an jedem Freitag sehen zu können, passt dem Jungen nicht wirklich.

Trotz aller Hürden, die Jojo zu nehmen hat, und der Thematisierung aktueller Sorgen, die im Alltag von Kindern gang und gäbe sind, ist „Fische haben keinen Po“ ein äußerst witziges Buch. Die Autorin erzählt die Geschichte aus Jojos Ich-Perspektive und lässt dadurch die Leser hautnah an seinem Freud und Leid teilhaben. Besonders lesenswert wird „Fische haben keinen Po“ allerdings durch die lebendig skizzierten Charaktere, die scheinbare Normalität des Rollentauschs in puncto „Haushalt“ und Jojos Kreativität, Optimismus und Entschlossenheit beim Meistern seines Dilemmas.

Die Autorin Sabine Ludwig wurde 1954 in Berlin geboren und schloss ihrem Studium der Literaturwissenschaften eine kurzzeitige Beschäftigung als Lehrerin an. Sie ist seit 1983 als freie Autorin tätig und schreibt seit Beginn der Hörfunk-Reihe „Ohrenbär“ im Jahre 1987 auch Kinderbücher. 1983 wurde sie mit dem Preis des Literarischen Colloquiums Berlin und 1993 mit dem Bettina-von-Arnim-Preis ausgezeichnet. Edda Skibbe, die die Zeichnungen zu „Fische haben keinen Po“ beigesteuert hat, wurde 1965 in Hamburg geboren, erhielt 1993 den Unicef-Preis „Illustratorin des Jahres“ und lebt in Kiel. (Ensa Maurer)