Sternenfeuer – Rezension von Alfred Ohswald

Die Menschheit geht daran, den Mond zu besiedeln und die Firma „Corporation Fireball“ unter ihrem Chef Anson Guthrie spielt dabei eine führende Rolle. Dagny Ebbesen arbeitet in ihrem Auftrag erfolgreich auf dem Mond und lernt dort ihren Mann, den Geologen Edmond Beynac kennen.

Als sie schwanger ist, stellt sich heraus, dass es für Menschen nicht möglich ist Kinder auf dem Mond auszutragen und zu gebären. Die Gentechnik bietet jedoch Möglichkeiten, dieses Problem zu umgehen und das Paar bekommt Kinder und begründet damit die neue menschliche Art der Lunarier. Obwohl diese den Erdenmenschen sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich doch vor allem in ihren Charakterzügen deutlich von ihnen und die beiden Arten können sich auch nicht miteinander fortpflanzen. Als die Lunarier bald den größeren Bevölkerungsanteil und wegen ihrer bedeutend besseren Anpassung an die Umweltbedingungen auf dem Mond auch immer mehr Macht, Einfluss und Vermögen haben, streben sie eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit von der Erde an.

Jahrhunderte später herrschen intelligente Maschinen zusammen mit den Menschen auf der Erde und dem Mond. Die Menschen hatten die Erde fast in ein ökologisches Desaster geführt und hatten die Katastrophe schließlich nur mit Hilfe dieser künstlichen Intelligenzen mit eigenem Bewusstsein vor dem Untergang retten können.

Die Lunarier auf dem Mond betreiben jedoch wieder ihre Unabhängigkeitsbestrebungen. Die einflussreiche Lunarerin Lilisaire betreibt ihre Intrigen im Rücken der allmächtigen künstlichen Intelligenzen und heuert den Raumschiffkapitän Ian Kenmuir für einen Auftrag auf der Erde an. Dort bemüht sich Aleka Kame um ihr Volk, Menschen die mit einst künstlich intelligent gemachten Seehunden in einer neuartigen Kultur zusammenleben, beim Finden eines ausreichenden Lebensraumes zu unterstützen. Lilisaire kann auch sie mit einem entsprechenden Versprechen zur Mitarbeit bewegen und machen sich sie und Kenmuir auf die Suche nach einem von der Maschinenintelligenz sorgsam gehüteten Geheimnis aus der Vergangenheit.

Nach „Sternengeist“ ist dies der zweite Roman in dieser von Anderson erdachten Zukunft. Obwohl es vollständig für sich selbst steht, ist es vor allem Anfangs wahrscheinlich nicht von Nachteil, wenn man „Sternengeist“ vorher gelesen hat.

Diese Zukunft ist hochkomplex und durchdacht und es braucht eine Weile, bis man sich in dieses Universum beim Lesen zurechtfindet. Die Geschichte selbst geht anfangs recht zäh von der Stelle und gewinnt und erst in der Mitte des Buches langsam an Dynamik um dann gegen den Schluss immer schneller voranzuschreiten. Diese beiden Umstände bewirken, dass man sich in der ersten Hälfte des Buches manchmal etwas mühsam durch alle möglichen, die Handlung kaum weiterbewegenden Geschehnisse und Dialoge vorwärts kämpft. Dann dürfte dem Autor irgendwann aufgefallen sein, dass er bei diesem Tempo ein eindeutig zu umfangreiches Buch produzieren wird und er legt immer mehr an Tempo zu.

Die Protagonisten im Roman hängen einem mir oft für Amerika typisch erscheinenden Misstrauen gegenüber Regierungen und einer Verherrlichung des feien Unternehmertums an, aber das ist sicher Ansichtssache. Aber sowohl die Personen als auch die Gesellschaftsformen sind niemals vereinfacht geradlinig und wie oft in diesem Genre in Gut und Böse einzuordnen.

Somit ragt das Buch durchaus aus der Masse der einfach gestrickten SF-Romane heraus, was bei diesem ja in dem Bereich nicht unbekannten Autor aber auch zu erwarten ist.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Sternenfeuer
Autor: Poul Anderson
Verlag: Bastei-Lübbe
ISBN: 3404242246