Der Zweihundertjährige – Rezension von Alfred Ohswald

Das Buch ist eine Kurzgeschichtensammlung. Zuletzt ist „Der Zweihundertjährige“ auf deutsch zusammen mit „Ich, der Robot“ und „Geliebter Roboter“ unter dem Titel „Meine Freunde, die Roboter“ (ISBN: 3-453-12766-8) erschienen.

Im besten Mannesalter
The Prime of Life
1966

Gedicht des verärgerten Autors, weil er von Fans beim persönlichen Aufeinandertreffen immer überrascht zu hören bekommt, dass sie ihn für einen sehr alten Mann gehalten hätten.

Weibliche Intuition
Feminine Intuition
1969
33 Seiten

Die Firma U.S.Robot beschließt, einen Roboter mit intuitiven Fähigkeiten zu bauen um unter den unzähligen Sternen mit Planeten einen mit einem besiedelbaren Planeten zu finden. Die riesige Menge von Daten stellte bisher konventionelle Roboter vor unlösbare Probleme. Um Widerstand in der Öffentlichkeit vorzubeugen wird der neue Roboter als „weiblicher Roboter“ bezeichnet und mit einer passenden Stimme ausgestattet. Doch ein überraschender Unfall bewirkt die Zerstörung dieses Roboters, der die Lösung gefunden, aber noch nicht weitergegeben hat. Nur ein Zeuge soll davon wissen, doch die Mitarbeiter von U.S.Robot finden ihn trotz intensiver Bemühungen nicht. Verzweifelt bitten sie die längst pensionierte Dr. Calvin um Hilfe.

Durchschnittliche Robotergeschichte mit einer humorigen Schlusspointe.

Der Wasserschlag
Waterclap
1970
47 Seiten

Der Sicherheitschef der Mondkolonie besucht eine Unterwassersiedlung um sich über deren Sicherheitsvorkehrungen zu informieren. Doch in Wirklichkeit führt er ganz anderes im Schilde.

Eine etwas langatmig geratene Geschichte. Der Hintergrund wird in Form von Dialogen zwischen den Protagonisten erklärt, und das zieht die Sache etwas in die Länge.

Daß du seiner eingedenk bist
That thou art mindful of him
1974
32 Seiten

Die Firma U.S.Robot steht vor dem Zusammenbruch, weil sich die Roboter durch ihre Effizienz bei ihrer Arbeit im Weltraum selbst überflüssig gemacht haben und ihr Gebrauch auf der Erde von der Regierung verboten ist. Keith Harriman ist sich der Ausweglosigkeit der Lage bewusst und setzt heimlich einen Roboter auf das Problem an, weil derartige Tätigkeit für diese streng untersagt ist. Und wirklich, knapp vor dem Aus findet der Roboter eine Lösung, die Harriman als seine eigene Idee in der Öffentlichkeit präsentiert.

Gute, aber nicht herausragende Robotergeschichte. Der Schluss mit seinen unerfreulichen Aussichten rettet sie aber.

Fremdling im Paradies
Stranger in Paradise
1974
34 Seiten

In einer düsteren Zeit sorgen die beiden Brüder Anthony und William als treibende Kräfte für den ersten Roboter auf dem Merkur. Das selbständig denkende Gehirn dieses Roboters befindet sich auf der Erde und bis es soweit ist, sind einige Schwierigkeiten zu überwinden. Nicht zuletzt zwischen den beiden Brüdern.

Eine eher dunkle Kurzgeschichte mit zu dieser Stimmung passenden Pointe.

Das Leben und Streben des Multivac
The Life and Times of Multivac
1975
17 Seiten

Der Supercomputer Multivac hat die Menschheit vor dem Untergang bewahrt und beherrscht seither alle Aspekte der wenigen Überlebenden. Ronald Bask schleicht sich in sein Vertrauen ein, wobei er das Vertrauen aller seiner Freunde riskiert und schlussendlich auch verliert. Doch sein von langer Hand vorbereiteter Plan scheint ihm jede Unannehmlichkeit wert zu sein.

Kurze, zügig voranschreitende Kurzgeschichte mit einer herrlich zweideutigen Pointe.

Worfeln
The Winnowing
1976
10 Seiten

Die politische Führung der Erde hat sich wegen gravierender Nahrungsknappheit zu einem groß angelegten Massenmord zugunsten weniger, dann aber überlebensfähiger Millionen Menschen entschlossen. Der Wissenschaftler Dr. Rodman hat ein Mittel gefunden, mit dessen Hilfe dieses Unternehmen auf nicht allzu auffällige Weise möglich wäre. Als er sich weigert, wird zuerst er und dann seine Familie unter Druck gesetzt.

Eine düstere Zukunftsvision mit schwarzhumoriger Pointe. Generell sind die später entstandenen Geschichten in „Der Zweihundertjährige“ der Technik gegenüber weniger Kritiklos als seine frühen Werke.

Der Zweihundertjährige
The Bicentennial Man
1976
52 Seiten

Andrew, der Roboter der Familie Martin entwickelt sich, gefördert durch das Familienoberhaupt Gerald Martin zu einem erfolgreichen Künstler. Immer mehr gewinnt er die persönliche Sympathie der Familienmitglieder, vor allem der kleinen Tochter. Nachdem er durch Gerald Martin sein selbst verdientes Geld für sich behalten darf, kommt er zu Wohlstand. Schließlich gelingt es ihm, gegen den Willen Gerold Martins, aber mit heftiger Unterstützung der jüngsten Tochter, seine Freiheit als Individuum vor einem Gericht durchzusetzen. Doch langfristig ist ihm das nicht genug, und er versucht immer mehr ein Mensch zu werden, während seine Freunde nach und nach wegsterben.

Eine herrlich schwermütige und Traurige Geschichte um die Sehnsucht nach dem Menschsein. Die Titelgeschichte ist der Höhepunkte in „Der Zweihundertjährige“.

Marching in
Marching in
1976
10 Seiten

Der Musiker Jerome Bishof wird um Hilfe bei der Musiktherapie für geistig kranke Menschen gebeten. Zuerst steht er der Sache skeptisch gegenüber, doch sein Interesse beginnt zu erwachen, als er mehr darüber erfährt.

Eine Liebeserklärung an die Musik.

Altmodisch
Old fashioned
1976
12 Seiten

Zwei Astromineraloder stoßen im Asteroidengürtel auf ein Schwarzes Loch. Bei dem damit verbunden Zusammenstoß mit einem Asteroiden geht allerdings der Gro0teil ihres Raumschiffes kaputt. Ohne Funk und Antrieb sind sie im Gravitationsfeld des Schwarzen Loches gefangen und werden in spätestens zwei Wochen sterben, wenn ihnen keine außergewöhnliche Idee kommt.

Eine klassische SF-Kurzgeschichte mit einer wirklich originellen Idee.

Der Zwischenfall bei der Dreihundertjahrfeier
The Trecentenary Incident
1976
20 Seiten

Der Präsident der Vereinigten Staaten benutz einen Roboter als Doppelgänger um vor Attentätern geschützt zu sein. Bei einem großen, öffentlichen Auftritt wird dieser Roboter zerstört. Der Sicherheitsbeamte Lawrence Edwards hat den Anschlag mit eigenen Augen gesehen, und ihm fallen einige Ungereimtheiten auf. Als er durch Nachforschungen zu einem erstaunlichen Verdacht gerät, wendet es sich an der privaten Sekretär des Präsidenten.

Kurzer SF-Politthriller ohne allzu überraschende Einfälle, aber trotzdem mindestens gehobener Durchschnitt.

Geburt eines Begriffs
Birth of a Notion
1976
6 Seiten

Zeitreisender trifft in der Vergangenheit auf den berühmten Hugo Gernsback.

Hommage an den Gründer des SF-Magazins „Amazing Stories“. Man beachte den Gag beim Originaltitel, der an den berühmten Stummfilm „Birth of a Nation“ angelehnt ist.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Zweihundertjährige
Autor: Isaac Asimov
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 280
ISBN: 3453127668