Der Medicus von Saragossa – Rezension von Eva Behrens

Der jüdische Silberschmied Helkias Toledano, der wegen seiner großen handwerklichen Fähigkeiten hoch angesehen ist, lebt mit seiner Familie bis zum Jahre 1489 unbehelligt in der spanischen Stadt Toledo. Doch dann bricht das Unheil über ihn und seine Kinder herein.

Der älteste Sohn Meir, der einen wertvollen Reliquienbehälter von der Werkstatt seines Vaters zur Klosterkirche der Stadt transportieren soll, wird ermordet und des kostbaren Gefäßes beraubt.

Drei Jahre später, im weltbewegenden Jahre 1492, beschließt Königin Isabella, die Juden aus Spanien zu vertreiben. Kurz vor seinem geplanten Aufbruch aus dem Lande wird Helkias vom tobenden Pöbel ermordet. Dessen jüngster Sohn Eleasar flieht gemeinsam mit seinem Onkel; aber Jona, der ältere wird von seinen Angehörigen getrennt und muss sich fortan alleine durchschlagen. Bei seiner Odyssee durch Spanien muss er nicht nur dafür sorgen genug zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, sondern er muss sich auch stets darum bemühen, sein Judentum, dem er sich nach wie vor verbunden fühlt, zu verbergen, denn im Lande wütet die Inquisition. Häufig gibt es Autodafés, bei denen Menschen, die der Ketzerei bezichtigt werden, unter grausamen Qualen hingerichtet werden. Jona irrt kreuz und quer durchs Land, schlägt sich als Hilfsarbeiter bei verschiedenen Grundbesitzern durch, heuert auf einem Handelsschiff an und landet schließlich in Gibraltar als Lehrling bei dem Waffenschmied Fierro. Jona fühlt sich wohl bei dem gutmütigen Mann, doch leider wird dieser eines Tages von Angel Costa, einem undankbaren Mitarbeiter ermordet. Jona selbst kann sich des Mordanschlages nur erwehren, indem er den Angreifer in Notwehr ersticht. Wieder muss Jona, der sich inzwischen Ramón Callicó nennt, fliehen; diesmal macht er sich auf den Weg nach Saragossa, wo Nuno Fierro, ein Bruder seines ermordeten Lehrherrn, als Medicus tätig ist.

Im Hause des Arztes findet Jona freundliche Aufnahme. Er begleitet seinen Gastgeber bei Krankenbesuchen und entdeckt sein großes Interesse für die Medizin. Schließlich lässt er sich zum Medicus ausbilden und nachdem er die Prüfung vor einem strengen Gremium bestanden hat, darf er selber als Arzt tätig werden. Trotz seiner großen Fähigkeiten gelingt es ihm jedoch nicht, seinen Meister, der an einem schwachen Herzen leidet zu heilen. Nach dessen Tode tritt Jona seine Nachfolge als Medicus von Saragossa an und er erbt auch den größten Teil von Nunos Besitz, so dass er zum wohlhabenden Manne wird.

Als er schließlich auch noch die Frau, die er liebt heiratet, scheint sein Glück nahezu vollkommen.

Doch dann ereilt ihn aus seiner alten Heimat Toledo der Ruf ans Krankenbett des Grafen von Tembleque, jenes Mannes, den Jona für den Tod seines Vaters und seines Bruders für verantwortlich hält…

Fans von Noah Gordon mögen es mir verzeihen, aber dies ist das erste Buch dieses Autors, das ich gelesen habe. Sicher würde ich den Roman aus einem anderen Blickwinkel beurteilen, würde ich auch die übrigen Werke aus seiner Feder kennen; ich würde nach Parallelen zu „der Medicus“ oder „der Schamane“ suchen, so aber betrachte ich dieses Buch für sich allein.

Der Roman ist gut gemachte Unterhaltungsliteratur. Er ist spannend von der ersten bis zur letzten Zeile und ganz nebenbei erfahre ich auch noch etwas über einen Teil der Geschichte Spaniens. Gerade die Epoche der Königin Isabella, die mit der Entdeckung Amerikas ein so rühmliches historisches Ereignis aufweist, hat halt auch sehr dunkle und ziemlich abstoßende Kapitel, über die ich bisher kaum etwas wusste.

Offenbar hat sich der Autor bei der Recherche zu dem Buch große Mühe gegeben, denn er überrascht mit vielen präzisen historischen, medizinischen und religiösen Details.

Doch so exakt wie Gordon in diesen Punkten erzählt, so ungenau ist seine Beschreibung der handelnden Personen. Am besten gelingt es ihm noch die Charaktere der Bösewichter herauszuarbeiten, aber leider bleiben die „Guten“ auch Hauptperson Jona ziemlich farblos.

Es gelingt mir beim Lesen nur sehr schlecht, mir ein Bild von ihnen zu machen. Ich kann mich nur partiell in ihre Empfindungen einfühlen, ich erfahre wenig über ihre Gedanken und ich weiß auch nicht so genau, wie die Leute aussehen.

Ich persönlich schätze es sehr, wenn ich mich beim Lesen eines Buches voll und ganz auf die darin vorkommenden Personen und vor allem die Hauptfiguren einstellen kann. Ich will mit ihnen denken, fühlen, ihr Leid und ihr Glück mitempfinden können. Dies fehlt mir ein wenig beim „Medicus von Saragossa“.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Der Medicus von Saragossa
Autor: Noah Gordon
Verlag: Blessing
Seiten: 511
ISBN: 3896670131