Törichter Männer Rat – Rezension von Eva Behrens

Ein junger Mann aus Island erzählt die Geschichte seiner Familie:
Sigfús, der Großvater, ein Schrotthändler lebt gemeinsam mit seiner Frau Solveig und ihren sieben Kindern auf Laekjarbakki, einem heruntergekommen Gehöft in der tiefsten Einöde. Der Handel mit Autoerstzteilen, den sich der Mann, den alle Fúsi nennen, aufbaut, läuft nur mäßig erfolgreich, vor allem weil er sein Geld lieber in Alkohol umsetzt als irgend etwas anständiges damit anzufangen.

Solveig, die aus besserem Hause stammt, nimmt ihm dieses Versagen ziemlich übel und verlässt ihn eines Tages.

Die Kinder des Paares gehen unterschiedliche Wege.

Sálomon, einer der beiden erstgeborenen Söhne landet frühzeitig in einer Irrenanstalt.

Fridrik, sein Zwillingsbruder wird Nervenarzt. Bei einem Studienaufenthalt in Deutschland lernt er die Witwe Gertrud und deren Tocher Ethel kennen. Obwohl er zuerst mit der Mutter liiert ist, heiratet er Ethel und nimmt sie mit nach Island. Die schöne junge Frau wird dort jedoch niemals heimisch, bleibt unzufrieden und unglücklich. Erst als nach deren Tode, Gertrud, die Schwiegermutter bei Frirdrik einzieht, verbessert sich die Stimmung in seinem Hause.

Der erfolgreichste aus der Geschwisterschar ist Vilhjálmur Edvard, der zu einem berühmten Zehnkämpfer wird und später als Bankdirketor zu Geld und hohem gesellschaftlichem Ansehen gelangt.

Lára, eine der beiden Töchter heiratet einen Pfarrer, der beinahe Bischof geworden wäre. Ihr Sohn Aslákur (Laki) ist ein so perfekter, wohlgeratener und fehlerloser Sprössling, dass niemand gegen ihn bestehen kann.

Sigfús junior baut den Ersatzteilhandel seines Vaters mit viel Engagement aus und verdient damit später eine Menge Geld.

Bárdur, der Vater des Ich-Erzählers, ist das schwarze Schaf der Familie. Obwohl von hoher Intelligenz und Kreativität, bringt er es auf keinen grünen Zweig. Alle seine schönen Ideen, wie man zu Geld kommen könnte, verlaufen entweder im Sande oder sie machen andere reich. Er selbst und seine Familie bleiben arm und müssen ein ziemlich klägliches Dasein in einer Kellerwohnung im Hause von Bárdurs Bruder Fridrik fristen.

Hródný, die jüngste der Familie, die mit einem Klumpfuß zur Welt kam und daher hinkt, heiratet Geirmundur, einen ziemlich groben Klotz; der aber als Fischer sehr viel Geld verdient und für seine Familie schließlich eine riesige Villa bauen lässt.

Der Roman beginnt langsam und gemächlich, eigentlich ziemlich banal, aber man liest und liest und plötzlich ist man fast am Ende des Buches angelangt und bedauert, dass man es bald weglegen muss. Ganz unmerklich zieht einen der Text in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los.

Kárason erzählt Geschichten, wie wir sie alle kennen – vom Hörensagen, aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern, Tanten und Onkel. Es sind keine großen Ereignisse, über die er berichtet, sondern er plaudert die kleinen Familiengeheimnisse, -sagen und -anekdoten aus.

Und wie in vermutlich jeder größeren Sippe gibt es auch in der Verwandtschaft des Ich-Erzählers Sympathien und Antipathien, Bosheit und Freundlichkeit, größere und kleinere Gemeinheiten und Betrügereien.

Die Helden in Kárasons Roman sind dabei natürlich nicht die so erfolgreichen Geschwister Vilhjálmur Edvard und Lára, die Mutter des Wunderknaben Aslákur, sondern eher die stille Hródný und Geirmundur, ihr ungehobelter Gatte, sowie Bárdur, die verkrachte Existenz.

Alles ist liebevoll geschrieben und ich konnte so einige Histörchen entdecken, die ich selber so ähnlich erlebt oder doch zumindest von meinen Angehörigen erzählt bekommen habe.

Ein Buch, das zwar keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse über das Leben vermittelt, das aber angenehm unterhält ohne zu belehren oder aufdringlich zu sein.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Törichter Männer Rat
Autor: Einar Karason
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 282
ISBN: 3442725151