Sturmhöhe – Rezension von Eva Behrens

Es scheint ein Fluch zu liegen über Wuthering Heights, einem sturmumtosten Landsitz im Norden Englands.

Heathcliff, der finsteren Gutsherr tyrannisiert nicht nur seine Mitbewohner, sondern auch die Nachbarn von Trushcross Grange haben unter ihm zu leiden.

Einst war Heathcliff als Findelkind im Hause des damaligen Gutsherrn Earnshaw aufgenommen worden.

Er und Catherine, die Tochter Earnshaws entbrennen in heißer Liebe zueinander. Doch Neid, Arroganz, Standesdünkel, Habgier und die heftige Abneigung, die Catherines Bruder Hindley von je her gegenüber Heathcliff empfunden hat, machen eine Verbindung der beiden unmöglich. Wider besseres Wissen, entschließt sich Catherine eines Tages, Edgar Linton, den zwar (meist) gutmütigen, aber saft- und kraftlosen Sohn der angesehenen Nachbarn zu heiraten.

Heathcliff, der schon immer einen finsteren und aufbrausenden Charakter besaß, kann die Enttäuschung und Demütigung nicht verwinden und verfolgt nun die Familien Earnshaw und Linton mit seinem Hass.

Als seine Angebetete, wahnsinnig vor Kummer und Verzweiflung, wenige Stunden nach der Geburt ihrer Tochter stirbt, steigert sich Heathcliffs Wut zur Raserei, er wird grausam und bösartig.

Jahre später, droht seine Rachsucht auch das Leben der nachkommenden Generationen zu vernichten. Doch dann beginnt Heathcliffs zerstörerische Kraft zu schwinden und als sich zwischen Catherine Linton, der Tochter seiner Angebeteten, und Hareton Earnshaw, dem Sohn Hindleys, eine zarte Liebe entwickelt, ist er nicht mehr in der Lage, etwas dagegen zu setzen und die beiden zu entzweien. Als ihm schließlich der Geist der toten Catherine erscheint, ist es um ihn geschehen. Kaum noch Herr seiner Sinne weigert er sich zu essen und zu schlafen und stirbt schließlich.

So endet der Wahn, der zwei Familien über Jahrzehnte hinweg nichts als Unglück gebracht hat und selbst Heathcliff findet seinen Frieden – er wird Seite an Seite neben seiner geliebten Cathy begraben.

Wer sagt denn, dass Klassiker nur etwas für den Deutschunterricht in Gymnasien sind oder für die Studierstuben hochintellektueller Schöngeister? „Sturmhöhe“ beweist das Gegenteil. Ebenso wie „Jane Eyre“, das Buch von Emily Brontës Schwester Charlotte, erschien der Roman 1847 in England und erregte einiges Aufsehen. Aber auch heutzutage, mehr als einhundertfünfzig Jahre nach seinem Erscheinen, liest sich der Roman so spannend und aktuell, dass man ihn, einmal in die Hand genommen, am liebsten gar nicht mehr weglegen möchte. Nicht eine einzige Zeile darin ist langweilig oder überflüssig und es geht richtig zur Sache. Die Handlung birst fast vor Emotion und Leidenschaft, es wird geliebt und gehasst, dass sich die Balken biegen! Und was für prächtige Charaktere Emily Bronte erschafft! Keine Gestalt ist fade oder unglaubwürdig. Die Personen sind nicht einfach nur gut oder schlecht, klug oder dumm, hübsch oder hässlich sondern so vielfältig und schillernd wie die Menschen im richtigen Leben halt auch.

Selbst an Heathcliff, dem Wüstling, vermag man sympathische Züge zu finden; er ist zu echten Gefühlen fähig – zu glühender Liebe aber auch zu leidenschaftlichem Hass! Er erregt unser Mitleid – nicht wegen seiner Verblendung, sondern wegen seiner tiefen Verzweiflung. Und mal ehrlich – möchten wir nicht alle so lieben und geliebt werden; mit einer Leidenschaft, die an Wahnsinn grenzt?

Dies ist eines meiner Lieblingsbücher! Es kommt nur sehr selten vor, dass ich einen Roman mehr als einmal lese; „Sturmhöhe“ habe ich gerade zum dritten Male gelesen und es hat mich wieder aufs Neue begeistert.

Absolut lesenswert!

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Sturmhöhe
Autor: Emily Bronte
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 449
ISBN: 3442076765