Die Wagenlenkerin -Rezension von Eva Behrens

Der Roman spielt im alten Griechenland etwa in den Jahren 63 – 67 unserer Zeitrechnung. Seit ihrer Kindheit leidet Alexandra, Tochter des Adligen Melanthios, unter der Benachteiligung, der die Frauen zu jener Zeit gegenüber Angehörigen des männlichen Geschlechtes ausgesetzt waren.

Insbesondere Paidikos, Alexandras Zwilingsbruder, lässt keine Gelegenheit aus, seine Schwester immer wieder zurückzudrängen.

Da Alexandras Mutter kurz nach der Geburt der Zwillinge starb, wächst das Mädchen mutterlos auf, von ihrem Vater erfährt sie nur wenig Liebe, nur bei dem Sklaven Chiron fühlt sie sich wohl und geborgen.

Obwohl Alexandra bedeutend besser mit Pferd und Wagen umzugehen weiß als ihr Bruder, fürchtet sie, niemals als Wagenlenkerin bei den Olympischen Spielen antreten zu dürfen, denn für Frauen ist die Teilnahme verboten. An ihrer Stelle beansprucht Paidikos das Gespann führen zu dürfen.

Alexandra beschließt, notfalls in einer Verkleidung als Mann, an den Wettkämpfen in Megalopolis teilzunehmen. Unterstützung erhofft sie sich von ihrer Tante Baukis, einer unbeugsamen und wohlhabenden Frau.

Nach ihre schmählichen Niederlage bei den Wettkämpfen und dem grausamen Tod ihrer Tante fühlt sich Alexandra einsamer denn je. Sie ist umgeben von Feinden und Gegnern – neben ihrem Bruder Paidikos ist da noch Philotis, die neue Ehefrau des Vaters nebst ihrem Bruder Psamenias und dem Vater Charaxos und vor allem der finstere und undurchschaubare Apollopriester Idaios. Außerdem gibt es da noch einen weiteren seltsamen Typen, den Töpfer Antenor, der immer dann auftaucht, wenn in Alexandras Umfeld seltsame oder beängstigende Ereignisse geschehen.

Trotz aller Widerstände begibt sich Alexandra einige Jahre später zu den Spielen der 211ten Olympiade, um dort teilzunehmen und möglichst den Sieg in der Biga (dem Zweigespann) zu erringen. – Ein äußerst gefährliches Vorhaben, denn ihre Gegner trachten danach, dies mit allen Mitteln – lauteren und unlauteren – zu verhindern.

Dass sie unter dem Schutz der Erdgöttin Gaia und deren Ururenkel Pan steht, hilft dabei der jungen Frau nur wenig, denn längst haben die männlichen Götter Zeus und vor allem Apollon mit Hilfe ihrer Priester versucht, die Urgöttin von ihrem angestammten Platz zu verdrängen.

Die olympischen Spiele der Antike sind gewiss ein hochinteressantes historisches Thema, doch leider wird ihm die Autorin nur teilweise gerecht. Immer wieder verlässt sie den Boden der mit gesicherten Fakten belegten Realität und begibt sich in mystische, pseudoreligiöse Sphären. Stellenweise erinnert der Roman stark an die Werke von Marion Zimmer Bradley. Mich stört auch die krasse schwarz-weiß Malerei. Gut und Böse sind fest vergeben; zwielichtige, schillernde oder auch nur schwankende Charaktere kommen kaum vor. Zu eindimensional, zu flach sind die Figuren gezeichnet. Reflektion, Nachdenklichkeit, das Wachsen der Personen an Ereignissen vermisse ich auf der ganzen Linie. Die Handlung und die Entwicklung der Geschichte ist voraussehbar – so wusste ich beispielsweise sofort, welch böser Mensch sich hinter der goldenen Apollosmaske verbirgt.

Schade – in dem Thema wäre mehr „drin“ gewesen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Die Wagenlenkerin
Autor: Kari Köster-Lösche
Verlag: List Verlag
Seiten: 479
ISBN: 3471794190