Idylle mit Professor – Rezension von Eva Behrens

Das Buch erzählt die Geschichte der Victoria Kulmus.
1735 heiratet die junge Frau den bereits etablierten und berühmten Professor Gottsched. Viktoria ist selig, einen so gelehrten Gatten zu haben. Sie nimmt sich vor, für ihr die ideale Ehefrau zu sein – Paradies seiner Augen, Göttin seiner Lust und Quell seiner Gedanken.

Da Viktoria sich durch hohe Intelligenz auszeichnet und äußerst gelehrig ist, gibt Gottsched seiner Frau Lateinunterricht, lässt sie an seinen Arbeiten teilhaben und zieht sie nach und nach zu immer anspruchsvolleren Tätigkeiten, wie der Übersetzung eines wissenschaftlichen Wörterbuches, heran.

Im Laufe der Zeit entwickelt die junge Frau persönliche Gedanken und Vorstellungen, die nicht immer mit denen ihres Gatten übereinstimmen. Als sie beginnt Arbeiten unter eigenem Namen zu publizieren und auf diese Weise rasch zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, gerät ihre Ehe in eine erste Krise. Gottsched beginnt an ihr herum zu mäkeln, macht ihr unsinnige Vorschriften, versucht ihre Entwicklung zu bremsen und ist auf den Ruhm seiner Frau offenbar eifersüchtig. Die Ehe der beiden bleibt kinderlos, was Victoria sehr zu schaffen macht und ihr Selbstbewusstsein auf eine harte Probe stellt.

Sie stürzt sich immer mehr in Arbeit und entfernt sich so Tag für Tag mehr von ihrem Ehemann und dessen ziemlich konservativen Vorstellungen von Sprache, Literatur und Poesie.

Bald kann sie sich kaum noch vorstellen, Gottsched jemals geliebt und begehrt zu haben. Nachdem sie eines Tages auch noch erfahren muss, dass ihr Gatte sie regelmäßig mit anderen Frauen betrügt, ist die Ehe endgültig gescheitert. Aber trotz ihrer täglich wachsenden Distanz zu Gottsched, bleibt Victoria letztendlich bei ihrem Gatten. Unglücklich und vergrämt stirbt sie im Alter von 49 Jahren.

Der Roman ist leicht lesbar und, soweit ich das beurteilen kann, recht detailgenau erzählt. Doch geht mir die Weinerlichkeit mit der die ganze Geschichte daher kommt etwas auf den Keks. Sicher war gerade für intelligente und selbstbewusste Frauen in den vergangenen Jahrhunderten das Leben kein Zuckerschlecken, aber ein bisschen Humor und Leichtigkeit hätte dem Buch trotzdem recht gut getan. Romane, in denen die gesamte Erdenschwere des Schicksals ausgebreitet wird, sind meist nicht so sehr mein Fall.

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich möchte nicht nur Klamotten, Komödien oder fröhliche Romane mit Happyend lesen und so etwas wie Hera Lind muss es ganz gewiss nicht sein! Aber ich finde, dass selbst ernste Themen durchaus mit Humor und gelegentlichem Augenzwinkern erzählt werden können. Frank Mc Court oder auch Marcel Reich – Ranicki beispielsweise haben das beeindruckend unter Beweis gestellt.

Renate Feyls Absicht, mit ihren Büchern an berühmte Frauen aus vergangen Jahrhunderten, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, zu erinnern, ist löblich, doch muss es unbedingt auf diese Art geschehen? Es gab so viele Erfolge im Leben der Victoria Gottsched geb. Kulmus. Warum hat die Autorin nicht wenigstens einmal den jubelnden Triumph beschrieben, den die junge Frau doch sicher hin und wieder empfunden haben muss?

In dem Roman jedoch erhalten selbst Viktorias größte Siege am Ende einen bitterem Beigeschmack und wenden sich zur Niederlage.

Ich hätte auch ganz gerne etwas mehr über das literarische Werk der Heldin erfahren. Hier und da mal ein kleines Zitat oder ein paar Gedichtzeilen von Viktoria hätte man sicher in die Geschichte einflechten könne, ohne den Lesefluss zu beeinträchtigen.

Positiv ist zu sagen, dass der Autorin gelegentlich sehr schöne Bilder gelingen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Idylle mit Professor
Autor: Renate Feyl
Verlag: Heyne
Seiten: 285
ISBN: 3453163982