Wer war Patrick March? – Rezension von Claudine Borries

Wir haben es hier mit einer Familiengeschichte der besonderen Art zu tun:
halb Kriminalroman, halb selbstironisch -kritische Familiensaga.
Damien March, der Held der Geschichte, lebt als Redakteur in London.
Eines Tages wird er durch ein Telegramm seines Vaters über den Tod seines Onkels Patrick informiert.

Er hatte den Onkel schon tot gewähnt. Umso überraschter ist er, als er sich bei der Testamentseröffnung als Alleinerbe eingesetzt sieht.

Anläßlich der Beerdigung des Onkels in Boston begegnet er seinem Vater, der ihn mit dem jüngeren Bruder Vivian verwechselt. Diese Verwechslung charakterisiert den Vater als einen, der kühl, unpersönlich und seinen Söhnen nicht sehr verbunden scheint. Ferner steht Damien nach langen Jahren den verschiedenen Tanten und Anverwandten gegenüber, denn in Boston sind die Ursprünge der Familie zu finden .

Mit distanzierter Komik sieht er den toten Onkel und assoziert seine Erinnerungen an ihn und an seine eigene Familiengeschichte.

Die Eltern des Icherzählers waren aus Amerika nach England zurückgewandert. Der Vater, ein sich sehr britisch gebender Anwalt, wird wie eine Karikatur des Britischen beschrieben. Die Mutter hat wohl eher mitgemacht, was sich nicht ändern ließ.

Die Brüder Damien und Vivian sind sich nicht besonders zugeneigt, nachdem sie nach dem frühen Tod der Mutter mehr in Internaten und bei Freunden zu Hause waren.

Damien tritt das Erbe des Onkels an, indem er seinen Job als Redakteur bei BBC in London aufgibt und nach Amerika in das Haus des Onkels auf der Insel Ionia vor der Küste von Cape Code zieht. An die Erbschaft sind einige Bedingungen geknüpft. So darf an und in dem Haus nichts verändert werden.

Damien bezieht das Haus, das sehr brüchig zu sein scheint und voller alter Erinnerungen, Möbel und sonstigem Plunder steckt. Er lernt seine Nachbarn kennen, und gelangt schon bald zu der Einsicht, daß ihm das vorgezogene Rentnerdasein gar nicht gefällt. Er möchte so bald wie möglich zurück zu seinem Job nach London.

In einer verwirrenden Vielfalt von Einzelheiten kommt Damien aber zufällig seiner Herkunft auf die Schliche. Er findet vom Onkel, einem Schriftsteller, ein Manuskript, in dem der ältere Bruder von Sherlock Holmes , Mycroft Holmes,eine kriminalistische Rolle spielt. Der Handlungsablauf wird schlußendlich sehr kompliziert. Für den LeserIn ist es nicht ganz leicht, sich aus dem aufgefundenen Manuskript , das sich mit der eigenen Familiengeschichte zusammenfügt , einen Reim zu machen. Aber alles klärt sich am Ende auf. Was macht das Buch so reizvoll?

Für mich war es der Humor, mit dem Einzelheiten des Zusammenlebens in Familien dargestellt wird verknüpft mit allgemeinen Betrachtungen über Leben und Sein in Familie, Beruf und Lebensalltag. Die Komik, Selbstironie und der Witz , mit dem auch dem ernstesten Schicksal qua Distanzierung die humorigen Seiten abgewonnen werden können, machen das Buch zu einem köstlichen Leseerlebnis , das zum Schmunzeln anregt. Ich kann das Buch sehr empfehlen. (Claudine Borries)

Titel: Wer war Patrick March?
Autor: Marcel Theroux
Verlag: C.H. Beck
Seiten: 269
ISBN: 3 406 48700 9