Fiesta in Havanna – Rezension von Alfred Ohswald

Im Sommer 1942 kommt der Schriftsteller Ernest Hemingway mit der Idee eines Amateurspionagerings zur Amerikanischen Botschaft in Kuba. FBI-Chef Hoover schickt seinen Agenten Joe Lucas hin, um die Sache und Hemingway im Auge zu behalten.

Lucas kann nicht recht verstehen, warum er als hochqualifizierter Profi zu diesem skurrilen Spektakel geschickt worden ist. Die bunt zusammengewürfelte, „Gaunerbande“ genannte Gruppe dilettiert ziemlich uneffektiv herum und Hemingways Versuche, mit seiner Jacht ein deutsches U-Boot zu entern erscheinen noch absurder. Lucas freundet sich langsam mit dem Schriftsteller an und bald kommt ihm der Verdacht, dass die nur eine Nebenrolle in einem viel größeren Spiel spielen.

Ein ermordeter deutscher Funker und ein Teil eines codierten Funkspruchs scheint sie ein Stück weiter zu bringen. In einer spektakulären Aktion bringen die das zur Entschlüsselung nötige Buch an sich und erfahren so den Inhalt des Funkspruchs. Zwei deutsche Spione sollen von einem U-Boot an einer einsam gelegenen Stelle an Kubas Küste abgesetzt werden. Zusätzliche Sorgen macht ihnen eine junge Prostituierte, die sich bei der Ermordung des Funkers in einem Nebenzimmer aufgehalten hat und von ihnen vor der kubanischen Polizei versteckt wird.

Als sich Hemingway und Lucas in der Nähe der angegebenen Landungsstelle auf die Lauer legen, bekommen sie aus der Entfernung nur mehr mit, dass die beiden Deutschen gleich nach der Landung erschossen werden. Bei den Leichen finden sie einige, hochbrisante Papiere der deutschen Abwehr.

Sie fangen weiter Funksprüche ab und entschlüsseln sie, aber es sind auch welche mit einer anderen Verschlüsselungsmethode dabei, die sie nicht knacken können. Lucas wird immer misstrauischer und macht sich daran, auch diesen Schlüssel zu finden.

Dan Simmons entwickelt sich immer mehr zum Allrounder. Nachdem er sich schon einen Namen als Schreiber von ausgezeichneten Horrorromanen gemacht hatte, ging er mit den vier Science Fiction-Romanen um „Hyperion“ und „Endymion“ schon sehr erfolgreich fremd.

Mit „Fiesta in Havanna“ liefert er einen im 2. Weltkrieg spielenden Spionagethriller ab, dessen Handlung auf vielen realen Geschehnissen aufbaut. Wobei sich die fiktive Handlung oft viel plausibler liest, als die manchmal ans Surreale grenzenden historischen Ereignisse. Und auch in diesem, für ihn neuen Genre hat Simmons ein bemerkenswertes Buch geschrieben.

Am Anfang geht es zwar etwas zäh in der Handlung vorwärts, aber er gewinnt fast unmerklich an Tempo und Spannung und gegen Ende überstürzen sich Ereignisse und die Spannung des Lesers, die Auflösung des Rätsels zu erfahren, wird ebenfalls gekonnt gesteigert.

Am Ende des Buches eklärt der Autor in einem Nachwort, welche im Roman beschriebenen Dinge sich tatsächlich ereignet haben. Mit diesem Buch hat er sich durchaus mit Carré, Forsyth und den anderen Größen des Spionagethrillers auf eine Stufe geschrieben.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Fiesta in Havanna
Autor: Dan Simmons
Verlag: Goldmann
Seiten: 574
ISBN: 3442541263