Small World – Rezension von Eva Behrens

Konrad Lang, ein älterer Herr hütet die griechische Sommerresidenz einer steinreichen Familie. Als das Haus durch Langs Unachtsamkeit ein Raub der Flammen wird, entschließt sich die Matriarchin der Familie, Elvira Senn, Herrn Lang zurück in die Schweiz zu holen. Obwohl Konrad der alten Dame durchaus lästig und unbequem ist, fühlt sie sich aus irgendeinem, zunächst nicht näher bekannten Grund, verpflichtet, ihn zumindest so weit zu unterstützen, dass er genug zum Leben und ein Dach über dem Kopf hat.

Herr Lang vermag es sich zunächst nicht einzugestehen, aber er leidet an einer zunehmenden Schwäche seines Kurzzeitgedächtnisses. Am Anfang sind es nur Kleinigkeiten, die er vergisst, aber im Laufe der Zeit wird es immer schlimmer. Er verläuft sich, irrt halbnackt bei schneidender Kälte im Schnee umher, erinnert sich nicht mehr an den Namen oder das Gesicht seiner Lebensgefährtin, selbst die simpelsten Verrichtungen, wie Essen und Trinken misslingen ihm, so dass er schließlich zum Pflegefall wird – Alzheimer. Doch mit dem Verschwinden der Erinnerungen an gerade erst Erlebtes kommen uralte, längst verschüttet geglaubte Bilder wieder an die Oberfläche seines Gedächtnisses. Erlebnisse aus seiner frühen Kindheit sind ihm plötzlich so gegenwärtig, als wären sie erst gerade eben passiert.

Elvira Senn, seiner reichen „Gönnerin“ ist diese neue Fähigkeit Langs ausgesprochen unheimlich, denn es scheint ein dunkles Geheimnis zu geben, das sie mit Konrad verbindet. Damit das Unrecht, das Lang in seiner Kindheit durch Elvira Senn angetan wurde, niemals offenbar wird, beschließt die alte Dame seinen Tod. Eine Insulinspritze soll ihn ins Jenseits befördern. Dank der Aufmerksamkeit einer jungen Pflegerin überlebt Lang den Anschlag.

Doch nicht nur das – die teure Behandlung durch einen Alzheimerspezialisten zeigt langsam Wirkung, Langs Zustand bessert sich zusehends. Die durch die Insulinspritze ausgelöste vorübergehende Unterzuckerung des Blutes scheint ebenfalls zu Konrads Gesundung beizutragen, so dass er am Ende wieder fast der alte ist.

Mir hat das Buch gut gefallen, es liest sich flüssig und durchweg spannend. Es vereint Elemente des Krimis und des psychologischen Romans mit Gesellschaftskritik und gibt dem Leser darüber hinaus einen Einblick in die Probleme von Pflegern und Patienten.

Die nahezu vollständige Heilung eines Alzheimerpatienten durch moderne Medikamente (vielleicht in Kombination mit einer massiven Unterzuckerung des Blutes) ist kein Hirngespinst des Autors, sondern es liegen wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die tatsächlich in diese Richtung zu weisen scheinen.

Insgesamt kann ich sagen: Das Buch ist sehr empfehlenswert.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Small World
Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
ISBN: 3257230885