Riven Rock – Rezension von Alfred Ohswald

Stanley McCormick ist Sohn des Erfinders des Mähdreschers und darum sehr reich. Als er die ebenfalls sehr reiche und dazu noch sehr kluge Katherine Dexter heiratet scheint alles perfekt. Doch Stanley ist hoffnungslos geisteskrank und muss vor der Öffentlichkeit, aber vor allem Frauen sicher verwahrt werden.

Sein Arzt Dr. Hamilton empfiehlt einen Aufenthalt in wärmeren Gefilden und so wird Stanley nach Riven Rock, einem großen Besitz der McCormicks in Kalifornien, gebracht. Das Haus dient allein seinem Aufenthalt und eine mitgereiste Gruppe Pfleger wacht über sein Wohlergehen und soll ein Entkommen verhindern. Doch schon auf der Reise im Zug kommt es zu Problemen.

Unter den Mitreisenden Pflegern ist auch Edward O’Kane, der sich schon über die Maßen auf sein zukünftiges Leben im sonnigen Paradies freut. Doch seine Trinkfreudigkeit und noch viel mehr sein Erfolg bei Frauen bringen den verheirateten O’Kane immer wieder in große Schwierigkeiten. Und ist sein Dienst bei Stanley schon kein Honiglecken, macht ihm sein wechselvolles Privatleben noch weit mehr zu schaffen.

Obwohl sich bei Stanley kaum eine Besserung zeigt und ihn wegen seiner Aggression gegenüber allen Frauen nicht einmal seine eigene zu Gesicht bekommen darf, hält sie eisern zu ihm. Nebenher setzt sie sich sehr engagiert für die Frauenrechte und hofft auf die zu dieser Zeit, Anfangs des 20. Jahrhunderts gerade große Fortschritte machende Psychologie.

Boyles Romane stecken immer voll Ironie und er ist ein Meister des Schwarzen Humors, oft an der Grenze zwischen Komödie und Tragödie. In „Riven Rock“ hat er sich mit seinem Humor aber im Vergleich zu seinen meisten anderen Büchern eher zurückgehalten. In der für ihn typischen, überaus lebendigen Schilderung der Ereignisse rund um die tragische Figur Stanley blitzt er nur manchmal in einem Satz hervor.

Die eigentliche Hauptfigur des Romans ist der Pfleger O’Kane, dessen Kampf gegen sein meist von der ihm eigenen Lebenslust verursachten kleinen und großen Tragödien, neben der Haupthandlung, den meisten Raum beanspruchen. Er ist der mit dem sogenannten gesundem Menschenverstand ausgerüstete Beobachter und scheint auch die Lieblingsfigur des Autors zu sein. Ein gewitzter Durchschnittsmensch seiner Zeit mit allen seinen Problemen und seiner Weltsicht, und doch machtlos gegenüber den Widrigkeiten des Lebens. Der Kontrast zwischen seinem kleinen aber turbulenten Leben und dem der Leute, die das Sagen haben, macht einen großen Teil des Reizes in diesem Buch aus.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Riven Rock
Autor: T. Coraghessan Boyle
Verlag: Carl Hanser Verlag
Seiten: 564
ISBN: 3446194770