Das Blütenstaubzimmer – Rezension von Ursula Homann

Das Buch erzählt die Geschichte von Jo, einer jungen Frau, die in ein nicht näher bezeichnetes südeuropäisches Land reist, um dort ihre Mutter wiederzusehen, die sich vor zwölf Jahren dort mit Alois, ihrem zweiten Mann niedergelassen hat. Jo hat gerade das Abitur gemacht und bisher bei ihrem Vater, einem erfolglosen Kinderbuchautor, gelebt.

Ihre Annährung an Lucy, die Mutter, gestaltet sich schwierig, denn Lucy hat genug damit zu tun, ihr eigenes Leben einigermaßen in den Griff zu bekommen. Als Alois bei einem Unfall unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, schottet sie sich zunächst in dessen verwaistem Atelier völlig ab, taucht diesen Raum mit Hilfe von ungezählten Blumen in eine Wolke von Pollen und verwandelt ihn so in ein Blütenstaubzimmer.

Jo gelingt es, ihre Muter aus diesem Zimmer und ihrer selbstgewählten Isolation zurück zu holen, doch ansonsten ändert sich an dem sehr distanzierten Verhältnis der beiden Frauen nichts.

Frustriert kehrt Jo schließlich nach Deutschland zu ihrem Vater zurück, doch auch hier muss sie erkennen, dass sie ein Störfaktor ist, der die Idylle, die der Vater mit seiner neuen Partnerin Anna aufbaut, belastet. So bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als sich eine Wohnung zu suchen und sich auf eigene Füße zu stellen.

Zoe Jenny versteht es, mit wenigen Worten plastisch zu erzählen. Der Roman ist knapp und dicht geschrieben und der Autorin gelingen einige eindringliche Bilde und sehr schöne Metaphern. Was die sprachliche Qualität angeht, gibt es an dem kleinen Buch nichts auszusetzen.

Was mich stört, sind eher inhaltliche Aspekte. Ich mag keine Geschichten, in denen fast ausschließlich psychisch kaputte Typen vorkommen.

Lucy, die Mutter, ist, um es einmal salopp zu formulieren, völlig plemplem, Alois, ihr Mann hat vermutlich Selbstmord begangen, Jo, die Hauptakteurin, ist zumindest leicht neurotisch, ihre neue Freundin Rea massiv beziehungsgestört und Jos Vater, sowie die übrigen Randfiguren verhalten sich auch mehr oder weniger merkwürdig. Solche Romane ziehen mich runter – und sie entsprechen (zum Glück!) auch nicht ganz der Realität. Zwar laufen uns im wirklichen Leben tatsächlich ziemlich viele verkorkste Leute über den Weg, aber erfreulicherweise gibt es doch auch noch genügend Menschen, die zumindest halbwegs normal sind und denen das Leben Freud macht. Daher kann ich dem Roman trotz seiner unbestrittenen sprachlichen Qualität nur eine mittelmäßige Bewertung zukommen lassen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von „Evas Leseland“.

Titel: Das Blütenstaubzimmer
Autor: Zoe Jenny
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 121
ISBN: 3442723833