Penny Maybe – Rezension von Ursula Homann

Penny ist arm dran. Das beginnt schon mit dem Namen. Er kommt nicht von der geheimnisvollen Penelope, sondern schlicht und einfach von Penny, der Münze. Eines Tages fasst sie den Plan, den Ontariosee zu durchschwimmen, um den „Fußtritten des Lebens“, denen sie immer wieder ausgesetzt ist, etwas Großartiges entgegenzusetzen. Es ist nicht das erste große Abenteuer, das Penny plant. Als sie mit sieben Jahren ihre Eltern durch einen Autounfall verlor, oder um in der schnoddrigen Sprache von Penny zu bleiben, als sich ihre Eltern „verkrümelten“, bei denen sie ohnehin das Gefühl gehabt hatte, von ihnen nicht richtig geliebt zu werden, wollte sie fliegen lernen. Aber als sie bei ihrem Sprung aus dem Schlafzimmer sich einen ihrer dünnen Kinderarme brach, gab sie diesen Vorsatz wieder auf.

Mittlerweile hat sich Penny zu einem raffinierten kleinen Luder entwickelt, das, wie sie selbst bekennt, auf alles eine Antwort hat und ein Lügengespinst um sich errichtet. Sie wechselt ihre Pflegeeltern wie andere ihr Hemd, zuletzt landet sie als Sechzehnjährige bei Helen und Dan und hat Schwierigkeiten, mit Helen klar zu kommen. Sie läuft wieder weg, nicht ohne sich vorher mit dem nötigen Kleingeld versehen zu haben und übernächtigt im Park. Erst später wird ihr klar, dass auch in dieser Ehe manches nicht stimmt.

Verliebt ist Penny übrigens in Chester. Doch leider hat dieser sich in eine andere verguckt, und als sie Tony näher kennen lernt, muss sie von ihm erfahren, dass er schwul ist. Aber da ist noch Marilyn mit ihrem kleinen Sohn Joey. Sie begegnet beiden, als sie auf den Zoo-Bus wartet. Gemeinsam verbringen die drei anregende Stunden im Zoo. Penny kann zwar nicht, wie sie gerne möchte, bei ihnen wohnen, aber Marilyn steht ihrem Vorhaben, den Ontario-See zu durchschwimmen, nicht so skeptisch gegenüber wie all die anderen.

Penny bittet ihre Physiklehrerin Mrs.Canyon um Rat und wird tatsächlich nach einigem Hin und her von ihr unterstützt. Plötzlich beginnen sich auch die anderen, die immer wieder Pennys Weg kreuzen, ihr Schwimmvorhaben ernst zu nehmen. Was genau daraus wird, erfahren wir nicht, nur so viel, dass viele ihrer Bekannten eines Tages in einem Boot auf dem Ontariosee sitzen und darauf warten, dass Penny losschwimmt. Mit dem Satz der Icherzählerin „Ich wate ins Wasser“ endet die turbulente Geschichte, die sicher ihre Leser finden wird.

Es ist der erste Roman der in Toronto geborenen Kathleen Martin, die bisher Drehbücher und Theaterstücke verfasst hat und dafür mit zahlreichen Preisen bedacht wurde. (Ursula Homann)

Titel: Penny Maybe
Autor: Kathleen Martin
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 184
ISBN: 3351029187